Es geht weiter mit meiner Serie “natürliche Pflege” und zwar möchte ich euch heute von meiner “Shampoo freien Zeit” berichten. Wobei Shampoo-frei nicht ganz stimmt, ich benutze schon welches, aber kein herkömmliches Shampoo, sondern selbst hergestelltes. Aber erst mal auf Anfang.

“No poo” steht für no shampoo und kommt, soweit ich weiß aus Amerika. Es soll die Haare glänzender und voller machen, deswegen wurde es auch schon von dem ein oder anderen bekannten Sternchen ausprobiert. Eigentlich geht es aber darum, seinem Haar und natürlich auch seiner Kopfhaut die Giftstoffe zu entziehen, die das Haar durch jahrelanges Waschen mit diversen Shampoo Marken aufgenommen hat. Ich möchte hier auch gar nicht weiter auf die Inhaltsstoffe und deren Eigenschaften eingehen, wen es aber dennoch interessiert, kann gerne in meinen Artikel “Duschen und Pflegen auf die natürliche Weise” mehr darüber lesen oder sich einfach die Inhaltsstoffe auf der Rückseite seines Shampoos etwas genauer durchlesen. Außerdem soll, durch die kein Shampoo Methode, die Kopfhaut wieder lernen Talg in Maßen zu produzieren, was besonders wichtig ist für gesund aussehendes Haar.

Warum ich mich dafür entschieden habe, es auch auszuprobieren: Das war eine sehr spontane Entscheidung. Nach der Geburt meiner zweiten Tochter wurde meine Schuppenflechte auf dem Kopf wieder so schlimm, dass ich einfach was unternehmen musste. Da ich schon diverse Shampoos getestet habe, die mir Minderung versprachen und absolut nichts gebracht haben, außer vielleicht noch trockenere Kopfhaut, war es an der Zeit einen anderen Weg einzuschlagen. Ganz nach der Divise: “Wenn nix hilft, kann ich auch ganz darauf verzichten.” Schlimmer konnte es schließlich kaum noch werden. Also hab ich in einer “Hauruck-Aktion” mein Shampoo in den Müll geworfen und mir meine erste “saure Rinse” angemischt.

Die ersten 7-8 Wochen waren hart, da möchte ich auch gar nichts schön reden. Ich bin fast ausschließlich mit Pferdeschwanz rumgelaufen. Die ganzen Chemikalien müssen natürlich erst mal raus aus dem Haar, aber trotzdem hatte ich mir die Umstellung etwas einfacher vorgestellt. Ich habe die ersten Wochen mein Haar 2 mal die Woche mit verdünntem Apfelessig gewaschen, der Essig hilft unter anderem die Tenside etc. aus dem Haar zu kriegen. Ihhh, meine Haare haben vielleicht gestunken, sag ich euch, eklig. Dabei bin ich ein totaler Duftfanatiker und liebe den Geruch von frisch gewaschenem Haar. Naja, ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass der Geruch von Apfelessig da nicht ganz mithalten kann.

Das absolut Wichtigste bei der Umstellung “ohne herkömmliches Shampoo” auszukommen ist das Bürsten. Ihr glaubt gar nicht wieviel Talg ich mir vom Kopf gebürstet habe. Jeden Morgen und Abend ca. 50 Bürstenstriche, jeweils ca. 10 in jede Richtung (von oben nach unten, von der rechten zur linken Seite und umgekehrt und dann noch über Kopf). Die Bürste sollte am besten täglich mit Wasser gereinigt werden, denn sie wird ganz schön schmierig. Auch das wird aber nach einigen Wochen besser. Das Bürsten verteilt den Talg ins ganze Haar und befreit so die Kopfhaut davon. Auch hier gibt es nämlich einen Teufelskreis…durch das Haarewaschen produziert die Kopfhaut vermehrt Talg und Talg führt zu schnell fettender Kopfhaut, was uns nach kurzer Zeit wieder zum Shampoo greifen lässt, usw. Die Haut gewöhnt sich aber von Woche zu Woche mehr an das shampoofreie Leben und produziert bald weniger Talg, was dazu führt, dass die Haare auch nicht mehr so schnell fettig werden.

Nach circa 5 Wochen habe ich angefangen meine Haare mit Roggenmehl zu waschen, aber so wirklich überzeugt hat mich das am Anfang nicht. Dieser herrliche Geruch von Shampoo hat mir so gefehlt. Aber meiner Kopfhaut ging es dabei recht gut, dass hat mich letztendlich auch zum Weitermachen motiviert. In den kommenden Wochen wurde es immer besser und ich habe sehr viel ausprobiert, unter anderem auch Natron. Ich glaube, dass war in der 8ten oder 9ten Woche, da hatte ich auch mein erstes Aha-Erlebnis, da bin ich dann auch das erste Mal wieder mit offenen Haaren losgegangen. Im Netz gibt es sehr viele Rezepte zu Shampoo-Alternativen, ich schreibe euch an dieser Stelle meine beiden Favoriten auf.

Mein verfeinertes Roggenmehl-Rezept:

Als erstes koche ich mir eine kleine Tasse Tee (Kamille oder Pfefferminz beruhigt die Kopfhaut) und lasse diesen gut durchziehen, dann ca. 3 EL (je nach Haarlänge) Roggenmehl in eine Tasse oder ein ähnliches Gefäß sieben und mit dem warmen Tee (Wasser geht natürlich auch) verrühren bis eine breiige Masse entsteht, dann kommen noch ein paar Tropfen von einem beliebigen ätherischem Öl hinzu und fertig ist es schon. Wer mag kann das Ganze noch ein paar Stunden ziehen lassen, muss aber nicht unbedingt sein. Die breiige Maße ins feuchte Haar einmassieren und ruhig ein paar Minuten einwirken lassen. Anschließend gut ausspülen. Mein Tipp: im Tee 1 TL Honig auflösen. ACHTUNG: unbeding Roggenmehr verwenden, kein anderes Mehl ! Sonst bekommt ihr es nicht mehr raus aus eurem Haar.

Mein Natron-Shampoo (perfekt für fettiges Haar):

ca. 1 EL Natron im warmen Wasser auflösen und das ganze am besten in eine Sprühflasche oder leere Shampoo Flasche füllen. Ins feuchte Haar sprühen und einmassieren, dann gründlich ausspülen. ACHTUNG: das Natronwasser trocknet die Kopfhaut sehr aus, solltet ihr empfindliche Haut haben, dann sprüht das Shampoo am besten nur auf die Haare und vermeidet den Kontakt mit der Kopfhaut.

 Saure Rinse:

Wenn ihr mögt, dann könnt ihr bei beiden Shampoo Varianten anschließend eine sogenannte “saure Rinse” anwenden. Diese sorgt für den Glanz in euren Haaren. Dafür mischt ihr einfach 10 ml Apfelessig mit 100 ml kaltem Wasser und schüttet euch das ganze nach dem Waschen über die Haare (umso kälter umso größer der Effekt). Ihr braucht es eigentlich nicht ausspülen, wenn ihr es möchtet, dann unbedingt mit kaltem Wasser die Rinse ausspülen. Anstatt Essig könnt ihr auch Zitronensaft benutzen. 1-2 EL Zitronensaft auf 100 ml kaltes Wasser geben. Zitronensaft hellt die Haare allerdings etwas auf. Auch hier müsst ihr einfach ausprobieren, was euch und eurer Haut am besten gefällt.

Jetzt nach mehr als 4 Monate ohne Shampoo muss ich sagen, es funktioniert. Ich wasche meine Haare circa alle 4-5 Tage. Mit herkömmlichen Shampoo musste ich jeden zweiten Tag waschen. Es entwickelt sich so langsam eine Haarroutine, die aber noch nicht zu 100 % ausgefeilt ist, dafür probiere ich noch zu viel rum. Ich benutze nach dem Waschen und auch zwischendurch eine “leave in” Spülung, die ich mir aufs Haar sprühe und mir selbst zusammengestellt habe. Ohne diese Spülung fänd ich meine Haare zu stumpf. Meiner Schuppenflechte geht es solala, auf jeden Fall besser als mit herkömmlichen Shampoo (und ich habe schon Shampoo für über 30 Euro gekauft), der Juckreiz ist fast weg, aber perfekt ist es noch nicht. Ich bin aber gerade auf einem guten Weg die Flechte in den Griff zu bekommen, allerdings möchte ich noch nichts berichten, bevor ich es nicht über einen längeren Zeitraum getestet habe. Auch zwecks “schönem Duft” bin ich noch am Experimentieren, werde euch darüber auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.

Mein Fazit: Glanzlose, fettige und dünne Haare werden bestimmt einen größeren Effekt sehen, als Haare, die von Natur aus glänzen und voller Volumen sind. Der Übergang ist schon ziemlich heftig und erfordert eine Menge Geduld. Ob es sich lohnt? Tja, das ist schwer zu sagen. Ich hab schon einige Erfahrungsberichte gelesen, viele sind begeistert, wenn die Umstellung erst einmal geschafft ist.

Für alle unter euch, die es gerne probieren möchten, schreibt mir unten einen Kommentar, wenn ihr Fragen habt. Oder seid ihr schon ohne Shampoo, dann freu ich mich auf eure Erfahrungen oder Rezeptideen. An alle die nicht auf Shampoo verzichten möchten, aber gerne mit weniger Chemie auskommen wollen, schaut euch um, es gibt eine Menge Alternativen in der Naturkosmetik, die mit weitaus weniger Chemikalien hergestellt werden.

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Wie ich seit Jahren mit meiner Psoriasis lebe, lest ihr hier. Und meine Tipps gegen unreine Haut findet ihr hier.

Macht euch einen schönen Tag, eure Yvonne !

Seit 4 Monaten “Shampoo frei”
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8 Gedanken zu „Seit 4 Monaten “Shampoo frei”

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