irland-grüne insel-reisen

Wie einige von euch wissen, habe ich eine ganze Weile (knapp 5 Jahre) in Irland gelebt. Es war eine wunderschöne und aufregende Zeit von der ich euch gerne berichten möchte …

Das Leben entschleunigen, wer wünscht sich das nicht? Einfach mal in den Tag hinein leben ohne einen vollen Terminkalender. Im Nachhinein war das meine wichtigste Erfahrung, während meiner Zeit auf der grünen Insel. Und das nicht nur, weil die Iren viel entspannter leben als wir hier in Deutschland, sondern weil ich von einen auf den anderen Tag keine Verpflichtungen und keine Termine mehr hatte. Keinen Geburtstag, für den man noch schnell ein Geschenk besorgen muss, keine Arzttermine oder andere Veranstaltungen. Nichts, nada. Es war schon ein bisschen so, als würde man ein neues Leben beginnen. Ich fuhr mit meinem Auto, gepackt mit meinen wichtigsten Sachen, nach Frankreich und von dort mit der Fähre nach Irland. Einen Job hatte ich über meinen damaligen Arbeitgeber aus Deutschland bekommen und ein Zimmer in einer irischen WG war auch in wenigen Tagen gefunden.

Ring of Dingle, Co. Kerry

Die erste Woche, dass muss ich zugeben, war die Hölle. Wer von euch schon einmal in ein anderes Land gezogen ist, weit weg von Zuhause, von seinen Freunden, seiner Familie, der wird dieses Gefühl nachvollziehen können. Heimweh extrem! Das Schlimme war, dass ich absolut nicht darauf vorbereitet war. Ich hatte so Bock auf diese Erfahrung, neuer Job, ein anderes Land, endlich mal richtig von Zuhause weg. Mein erstes großes Abenteuer!

Aber als mein Bruder, der mich nach Irland begleitet hat, dann in den Flieger stieg und ich realisierte, dass ich jetzt wirklich komplett auf mich allein gestellt war, keine Menschenseele kenne, boa, dass war schon heftig. Und ganz nebenbei erwähnt, mein Englisch war wirklich eine Katastrophe. Die ersten Behördengänge durfte ich natürlich ganz allein erledigen, Konto einrichten, PPS Nummer beantragen. Das hat nicht wirklich dazu beigetragen, dass ich mich besser oder etwas wohler gefühlt habe, ganz im Gegenteil. Fremde Sprache, Behördenzeugs, tausend Fragen, die ich nur ansatzweise verstanden habe…da hab ich mir nicht nur einmal die Frage gestellt, was ich hier eigentlich mache und wie ich in Gottesnahmen nur auf diese absurde Idee gekommen bin, alleine in ein anderes Land zu ziehen. Ja, ich habe so ziemlich alles in Frage gestellt, und mein Enthusiasmus war völlig verflogen. Da war ich nun, auf dem Boden der Realität angekommen und den fragenden Blicken des Bankangestellten ausgesetzt. Aber es wurde besser. Jeden Tag ein kleines bisschen.

Meine neuen Kollegen waren super, wir wurden mit der Zeit eine richtig kleine Familie. Wir haben Feiertage, Geburtstage und einige Wochenenden miteinander verbracht, Ausflüge unternommen und den ein oder anderen Pub zusammen erkundet. In meiner irischen WG habe ich mich auch super wohl gefühlt. Die Jungs, Brandon und Kieran, beide in meinem Alter und richtig cool drauf, haben mich Stück für Stück der englischen Sprache und der irischen Lebensweise näher gebracht und mich bei jedem Heimweh Anfall aufgeheitert oder sind mit mir durch die Stadt gezogen.

Valentia Island

Nach Feierabend war es trotzdem meistens ruhig und an den Wochenenden, wenn meine Mitbewohner nicht zuhause waren, war es einfach zu ruhig. Es hat eine zeitlang gedauert, bevor ich diese freie Zeit so richtig genießen konnte. Stundenlange Spaziergänge am Meer, mit dem Auto einfach drauf los fahren oder bei leckerem Tee den ganzen Tag im Bett bleiben und ein gutes Buch lesen. Herrlich, oder? Ihr glaubt gar nicht, wie viele Briefe ich in dieser Zeit geschrieben und auch bekommen habe. Es sind mehr als ein großer Schuhkarton zusammen gekommen. Damals gab es noch kein WhatsApp und Facebook und Co. waren auch noch nicht so bekannt. Ein Glück! Ab und an habe ich auch mal eine E-Mail mit Bildern in die Heimat geschickt, aber die meiste Kommunikation bestand wirklich über Briefe. Wer nimmt sich heute noch die Zeit und schreibt einen Brief? Irgendwie schade, oder? Ich hatte sogar richtig schönes Papier. Jetzt wo ich das hier schreibe, bekomme ich auch richtig Lust darauf mal wieder einen Brief an eine gute Freundin zu schreiben…

Lahinch, Co. Clare

Neben meinen ganzen anderen Erfahrungen rund um Land und Leute, war diese “ruhige” Zeit einfach klasse. Gerne würde ich mal wieder den meist doch stressigen Alltag hinter mir lassen und auf meine grüne Insel reisen, um meine Batterien wieder aufzuladen. Irland – meine Oase, meine Ruhe.

Selbst an den Supermarktkassen geht es dort so schön relaxed zu. Die Iren nutzen die Zeit meist für ein Pläuschen übers Wetter, das letzte Rugby Spiel oder den letzten Pub Besuch, ein Thema ist schnell gefunden. Und egal wie viel ein Ire zu tun hat, Zeit für ein Tee nimmt er sich immer.

Kennt ihr das? Was tut ihr um wieder etwas zur Ruhe zu kommen? Warst du schon mal in Irland oder hast in einem anderen Land gelebt? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.

Wenn ihr mehr über das Land erfahren möchtet, hier geht es zu meiner irischen Bildergalerie und hier zu meinem zweiten Teil des Artikels.

Gefällt dir mein Beitrag, dann lass dich doch über neue Artikel per E-Mail informieren. Oben rechts auf dieser Seite findest du mehr. Oder du teilst meinen Artikel bei Facebook mit deinen Freunden.

Irische Grüße,

eure Yvonne

Irland, die grüne Insel – Zeit für mich
Markiert in:             

Ein Gedanke zu „Irland, die grüne Insel – Zeit für mich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.